Malta
🛂 Visa-Optionen für Deutsche
EU-FreizügigkeitPermanent Residence Programme (Vermögende)
💰 Steuern
Progressiv 0–35 %, mit Refund-Systeme
Non-Dom + Remittance: nur was nach Malta gebracht wird, ist steuerbar. Refund-System für Holdings.
DBA mit Deutschland: Ja, seit 2001. Damit werden Doppelbesteuerungen typischerweise per Anrechnungs- oder Freistellungsmethode vermieden.
🏥 Gesundheitssystem
öffentlich gut
🇩🇪 Deutsche Community
klein
📌 Auf einen Blick
- Non-Dom + Remittance-Basis
- Englischsprachig
- Sehr klein, viele Auswanderer empfinden Inselkoller
📝 Hintergrund: Auswandern nach Malta
Malta taucht in Auswanderer-Gesprächen meist wegen eines einzigen Schlagworts auf: Non-Dom. Das Remittance-Prinzip klingt verlockend — du zahlst Steuern nur auf das, was du tatsächlich nach Malta transferierst. Gleichzeitig ist Malta EU-Mitglied, englischsprachig und liegt im Mittelmeer. Was auf dem Papier ideal wirkt, hat in der Praxis einige Haken, die du kennen solltest — allen voran den berüchtigten Inselkoller.
Non-Dom und Remittance: Was steckt dahinter?
Das maltesische Steuersystem unterscheidet zwischen Gebietsansässigen (Resident) und Personen mit Non-Domiciled-Status (Non-Dom). Als Non-Dom zahlst du maltesische Einkommensteuer grundsätzlich nur auf Einkünfte, die aus Malta stammen oder dorthin überwiesen werden. Ausländische Einkünfte, die du auf einem Konto außerhalb Maltas lässt, bleiben in Malta unbesteuert — solange du sie nicht nach Malta transferierst.
Das klingt einfach. Ist es nicht. Die praktische Umsetzung — welche Transfers zählen, wie Holdings strukturiert werden, wie das Refund-System für Dividendenausschüttungen funktioniert — ist komplex und fehleranfällig. Der Spitzensteuersatz liegt bei 35 %, also keineswegs niedrig, und ohne saubere Struktur kann die Steuerbelastung schnell höher ausfallen als erwartet. Hinzu kommt: Steuer- und Visaregeln ändern sich, und was heute gilt, kann morgen anders aussehen. Vor einem Wegzug ist professionelle Steuerberatung Pflicht — nicht optional. Einen ersten Überblick, welche steuerlichen Fragen beim Wegzug aus Deutschland relevant werden, findest du im Wegzugsteuer-Rechner auf dieser Seite.
Relevant ist außerdem: Deutschland und Malta haben ein Doppelbesteuerungsabkommen, das seit 2001 gilt. Es regelt, welcher Staat das Besteuerungsrecht hat — aber es schützt dich nicht automatisch vor deutschen Nachforderungen, wenn dein Wegzug nicht sauber dokumentiert ist. Alle Angaben hier beziehen sich auf Stand 2026, ohne Gewähr.
Einreise, Aufenthalt und Kosten
Als EU-Bürger hast du durch die Freizügigkeit das Recht, nach Malta zu ziehen und dort zu leben — ohne gesondertes Visum. Du musst dich nach einer gewissen Zeit bei den maltesischen Behörden registrieren und eine Aufenthaltsbescheinigung beantragen. Für Nicht-EU-Bürger oder Vermögende, die einen formalisierten Residenzstatus wollen, gibt es das Permanent Residence Programme, das bestimmte Immobilien- und Investitionsvorgaben mitbringt.
Die Lebenshaltungskosten liegen laut verfügbaren Vergleichsdaten bei etwa 80 % des deutschen Niveaus — du lebst also tendenziell günstiger als in Deutschland, aber Malta ist kein Billigland mehr. Vor allem Mieten in Valletta und den beliebten Küstenorten wie Sliema oder St. Julian's haben sich in den letzten Jahren deutlich verteuert. Lebensmittel und Restaurants sind günstiger als in deutschen Großstädten, das Gesundheitssystem ist öffentlich gut ausgebaut und als EU-Bürger zugänglich.
- Währung: Euro — kein Wechselkursrisiko für Einkünfte aus dem Euroraum
- Amtssprachen: Maltesisch und Englisch — Behördengänge auf Englisch problemlos möglich
- Klima: mediterran, heiße, trockene Sommer, milde Winter
- Deutsche Community: klein — wer sozialen Anschluss sucht, muss aktiv werden
Der Inselkoller — kein Klischee
Malta ist klein. Sehr klein. Mit rund 316 Quadratkilometern ist der gesamte Archipel kaum größer als der Landkreis München. Es gibt keine Natur zum Wandern, keinen Wald, keine weiten Landschaften. Die Infrastruktur ist stellenweise überlastet, der Verkehr in Valletta und Umgebung zählt zu den dichtesten in Europa, und Bauprojekte verändern das Stadtbild kontinuierlich. Wer aus einer deutschen Großstadt kommt und Abwechslung, Natur oder kulturelle Vielfalt erwartet, stößt hier schnell an Grenzen.
Viele Auswanderer berichten nach ein bis zwei Jahren von dem, was inoffiziell „Inselkoller" heißt: das Gefühl, eingesperrt zu sein, immer dieselben Wege zu fahren, immer dieselben Orte zu sehen. Malta funktioniert gut als steuerlicher Wohnsitz mit internationalem Lebensstil — also wenn du ohnehin viel reist und Malta als Basis nutzt, nicht als Mittelpunkt. Wer erwartet, dort richtig heimisch zu werden, sollte das nüchtern prüfen.
Unterm Strich: Malta ist für bestimmte Profile interessant — Unternehmer, digitale Nomaden oder Personen mit internationalen Einkünften, die eine EU-Basis mit englischer Amtssprache und funktionierendem Non-Dom-System suchen. Für alle anderen ist es ein schöner Urlaubsort. Bevor du konkret planst, nutze unsere Wegzug-Checkliste und hol dir steuerliche Beratung — die Regeln sind komplex genug, dass Eigenrecherche allein hier nicht ausreicht.
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